Teilprojekt C5

TR29 Teilprojekt C5

Kompetenzen zur Integration von Heterogenität in HLBs

 

  Ziele   Motivation   Vorgehensweise   Ergebnisse   Publikationen  

Kurzzusammenfassung

Im Projekt steht die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des HLBs im Zentrum der Betrachtung. Es werden die Kompetenzen inhaltlich klassifiziert, die Individuen und Teams benötigen, um ihre unterschiedlichen Expertisen in synchronen Arbeitsprozessen zu integrieren. Für die Kompetenzermittlung wird ein Mehrebenen-Modell verwendet, das auf Methoden der Netzwerkforschung aufbaut, um die Wechselwirkung zwischen Individuen und Gruppen abzubilden. Im Ergebnis werden Ansatzpunkte für die Arbeitsorganisation und den Führungsprozess zur Entwicklung von Integrationskompetenz im Prozess der Arbeit des HLB aufgezeigt. 

 

Teilprojektleiterin

Wilkens Bw Prof. Dr. Uta Wilkens
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Arbeitswissenschaft
Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal
Gebäude: NB 1/171
Universitätsstraße 150
D-44801 Bochum
Telefon: +49 234 32 27876
Telefax: +49 234 32 14198
E-Mail: uta.wilkens@iaw.rub.de

Teilprojektbearbeiter/in

Voigt Bw Dipl. Psych. Bernd-Friedrich Voigt
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Arbeitswissenschaft
Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal
Gebäude: NB 1/168
Universitätsstraße 150
D-44801 Bochum
Telefon: +49 234 32 27872  
Telefax: +49 234 32 14198  
E-Mail: bernd.voigt@iaw.rub.de

Lienert Bw Antje Lienert M.A., MoM
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Arbeitswissenschaft
Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal
Gebäude: NB 1/168
Universitätsstraße 150
D-44801 Bochum
Telefon: +49 234 32 26091
Telefax: +49 234 32 14198
E-Mail: antje.lienert@iaw.rub.de

 

Ziele

Das Hauptziel dieses Teilprojektes liegt in der Spezifikation von Kompetenzen für die integrierte Zusammenarbeit in HLBs sowie die Entwicklung darauf gerichteter Analysemethoden und Entwicklungsansätze. Unter Kompetenzen verstehen wir handlungsbezogene, über die fachliche Qualifikation hinausgehende Meta-Fähigkeiten, die Individuen und Teams benötigen, um die heterogenen Voraussetzungen und Expertisen aller an einem HLB beteiligten Akteure integrieren zu können. Der Untersuchungsgegenstand umfasst sowohl die Entwicklungsphase als auch die Erbringungsphase, so dass die Schnittstellen zwischen Zulieferer, Anbieter und Kunde Gegenstand der Untersuchung sind. Durch diese Akteursgruppen, ihre Einbindung in unterschiedliche Organisationsprinzipien, Arbeitsprozesse und Zielsysteme wird ein hohes Maß an Heterogenität begründet. Die Verständigung in diesem System zur Erbringung einer simultanen Sach-Dienstleistung lässt sich nicht allein durch fachliche Qualifikationen oder Mehrfachqualifikationen erzielen. Vielmehr geht es um Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität, auch der Wahrnehmung einer gemeinsamen Handlungsbasis über unterschiedliche Handlungssysteme hinweg.
Daraus ergeben sich folgende zentralen Zielsetzungen des Teilprojekts C5:

(1) Konzeption von Integrationskompetenz in HLBs
(2) Kompetenzanalyse - Entwicklung und Validierung eines Diagnosetools
(3) Systemanalyse - Exemplarische Darstellung der Erfolgstreiber und Kompetenzbeziehungen zwischen individueller und kollektiver Akteursebene in HLBs
(4) Gestaltungskonzept - Ableitung eines phasenspezifischen Konzeptes zur Arbeitsorganisation und für den Führungsprozess in HLBs
(5) Weiterführende Differenzierung des Aussagensystems  

  

Motivation

Der Erfolg der hybriden Leistungserstellung ist von der Integration der unterschiedlichen Expertisen der am Sach- und Dienstleistungsprozess beteiligten Akteure abhängig. Dabei gilt es, die Akteure auf Anbieter-, Zulieferer- und Kundenseite zu berücksichtigen. Während die Leistungserstellung in traditionellen Arbeitssystemen durch arbeitsteilige Prinzipien und sequentielle Reihung von Einzelleistungen erreicht werden kann und sich auf die Anbieterseite reduziert, erfordert ein HLB von den Mitarbeitern ein anderes Maß an Verständnis und Einsicht für die Produkte und Dienstleistungen sowie den Prozess der gemeinsamen Problemlösung mit dem Kunden. Das unternehmensstrategische Verständnis für die Generierung von win-win-Situationen muss dabei ebenso ausgeprägt sein wie die Offenheit für Netzwerke.
In Anlehnung an die Forschung zur wissensintensiven Dienstleistung kann ein HLB als kommunikationsintensive Organisationsform charakterisiert werden, da neuartige Probleme auf primär kollektiver Basis unter Integration von Einzelexpertisen zu lösen sind. Dafür müssen die Akteure über Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität verfügen, durch die ein Verständigungsprozess und eine Wissensintegration als Basis der Leistungserbringung erst möglich werden. Die für den Integrationsprozess erforderlichen Kompetenzen sind Untersuchungsgegenstand des Teilprojektes. Es geht um die theoriefundierte inhaltliche Klassifikation dieser Kompetenzen, ihre methodische Erfassung und Ansätze ihrer Entwicklung im HLB.
Die Kompetenzanalyse schließt das Zusammenwirken individueller und kollektiver Handlungsebenen ein, welches für die Betrachtung von HLB als System maßgeblich ist, aber bislang nicht untersucht wurde. Der Neuigkeitswert dieses Teilprojektes ergibt sich daher aus der Spezifizierung der Kompetenzen für die integrierte Zusammenarbeit in HLBs bei heterogenen Qualifikationen und Arbeitskulturen der Akteure auf Zulieferer-, Anbieter- und Kundenseite sowie der Entwicklung darauf gerichteter Analysemethoden und Entwicklungsansätze.
 

 

Vorgehensweise

Im ersten Schritt wird der Forschungsstand zum Kompetenzmanagement in HLB dokumentiert sowie anhand einer Literaturanalyse eine geeignete theoretische Basis identifiziert, um Dimensionen der Integrationskompetenz in HLBs abzuleiten. Als theoretische Suchfelder werden systemtheoretische Betrachtungen und Ansätze der Selbststeuerung und -organisation von kollektiven Systemen geprüft, um eine individuelle und eine kollektive Handlungsbasis einschließen zu können. Darauf aufbauend wird ein Interviewleitfaden zur Exploration möglicher Kompetenzdimensionen entwickelt und Experten sowie Praktiker dahingehend befragt. Die Interviews werden inhaltsanalytisch ausgewertet. Anhand der Auswertung der Interviews können spezifische Kompetenzdimensionen für ein (mikroproduzierendes) HLB konkretisiert und operationalisiert werden, die die Individuums- und die Gruppenebene einbeziehen.  
Desweiteren werden methodische Zugänge aus der Netzwerkforschung und neueren Organisationsforschung geprüft, die einen Mehrebenen-Zugang erlauben. Dieser Arbeitsschritt ist umfassend, weil damit in starkem Maße Neuland betreten wird. Das Teilprojekt versucht hier die Vorteile aus unterschiedlichen Zugangswegen zu nutzen, was eine intensive Methodenentwicklung mit sich bringt, die für die HLB-spezifische Problembewältigung von hohem Wert ist und darüber hinaus in der Kompetenzforschung einen Maßstab in der Netzwerkbetrachtung setzen kann. Es wird mithin ein elaboriertes Diagnosetool entwickelt, das mehrere Instrumente miteinander kombiniert. Bislang existiert kein Referenzmodell für die intendierte Kompetenzanalyse.
Als Teil der Gesamtdiagnose wird ein Fragebogen entwickelt, der die spezifizierten Kompetenzdimensionen erfassen soll.  Anhand des eingesetzten Tools werden systemspezifisch die besonders erfolgskritischen Kompetenzfacetten auf individueller und gruppenspezifischer Basis ermittelt und die Wirkungsbeziehungen zwischen den Kompetenzebenen analysiert, um Hebeleffekte zu prüfen und ggf. zu verdeutlichen. Methodisch – je nach Datenlage – werden dafür unterschiedliche statistische Verfahren zum Einsatz kommen. Anhand der Ergebnisse wird geprüft, welche Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung im HLB sinnvoll sind. Hierzu gilt es, Entwicklungsmaßnahmen auf der individuellen und kollektiven Ebene unter Einbeziehung von Zulieferern, Anbietern und Kunden zu identifizieren und mit geeigneten Maßnahmen zu unterlegen. Insbesondere wird ein Ansatz verfolgt, der Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit durch Gestaltung der Arbeitsorganisation und Ausrichtung des Führungsprozesses ermöglicht. Die Reaktionen und Ergebnisse, die die Maßnahmen auf der individuellen und kollektiven Ebene erzielen, werden erhoben. Damit soll geprüft werden, inwieweit die Reibungsverluste im HLB minimiert und die Effizienz des HLBs gesteigert werden konnte. Die Erkenntnisse werden für mikroproduzierende HLBs reflektiert und in Gestaltungsmaßnahmen überführt. Es wird dabei geprüft, inwieweit die Daten und Empfehlungen als Stellgrößen für den Demonstrator aufbereitet werden können und inwieweit eine Integration der Daten erfolgen kann.

Ergebnisse

Teilprojektergebnisse wurden im Rahmen von Beiträgen auf Konferenzen und in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert. Publikationen

 

Publikationen

  • Mänz, K.; Wilkens, U.; Süße, T.; Lienert, A.: Die Bewältigung hoher Arbeitsanforderungen in HLB. Mitarbeiterkompetenzen als ermöglichender Faktor in HLB-Arbeitsbereichen. Erscheint in: wt Werkstattstechnik Online, 2013, Ausgabe 7/8. (Beitrag begutachtet und angenommen).
  • Wilkens, U.; Süße, T.; Mänz, K.; Schiffer, B.; Fabian, G.: Preparing University Graduates for Product-Service Work Environments. In: LNPE 6. Product-Service Integration for Sustainable Solutions. Hrsg.: Meier, H. Berlin Heidelberg: Springer, 2013, S. 621 - 633.
  • Externbrink, K.; Lienert, A.; Wilkens, U.: Identifikation von Mitarbeiter- und Teamkompetenzen in hybriden Leistungsbündeln, In: Industrie Management 3 (2012), S. 65 - 69.
  • Externbrink, K.; Wilkens, U.; Lienert, A.: Antecedents to the Successful Coordination of IPS² Networks - A Dynamic Capability Perspective on Complex Work Systems in the Engineering Sector. In: The Philosopher's Stone for Sustainability. Hrsg.: Shimomura, Y.; Kimita, K. Berlin Heidelberg: Springer, 2013, S. 103 - 108.
  • Sprafke, N.; Externbrink, K.; Wilkens, U.: Exploring Micro-Foundations of Dynamic Capabilities: Insights from a Case Study in the Engineering Sector. In: Research in Competence-Based Management, 6 (2012), S. 117 - 152